Dem Freunde

Dem Freunde

Wir brauchen gar nicht viel zu reden
und haben uns doch so rasch erkannt…

Es ist,
als seien wir in einem andern Leben
Hand in Hand
durch die lachenden Felder gerannt
und hätten uns, ernsthaft und atemlos,
ein Versprechen gegeben –

oder als seien unsere Sprachen
eng miteinander verwandt:
dein Gesicht will ich entziffern,
deine Worte erleben
und deine Hand…

Als welche Botschaft, Freund,
sind wir einander gesandt?

Christina Egan © 1990

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Zauberspruch zur Winterverbrennung

Zauberspruch zur Winterverbrennung

Lohende Flammen, lohende Glut,
schmelzet den Schnee uns, schmelzet den Frost!
Knisternde Äste, knisterndes Holz,
brechet den Bann uns, brechet das Eis!

Christina Egan © 2016

Ancient manuscript (9th/10th c. AD) in neatly written Old High German.

 

These lines were inspired by two things: the German custom of gathering round huge bonfires to drive the winter out; and those few pagan spells in ancient German which have come down to us.

The sound of the hissing flames and the crackling branches is captured in the verse. The power of winter is interpreted as a spell, an ordeal of darkness and cold, which this spell, the chant or prayer of man, can break.

 

The only pagan spells in Old High German, probably written down in Fulda monastery in the 9th or 10th century AD. – Photograph: Public domain, via Wikimedia Commons.

Rhymes / Known

Rhymes

No, our names don’t rhyme well,
we come from far-off lands –
but neither rhyme nor reason
can censor our hands,

those hands that seem created
to grasp the chance, to grasp
each other, tight and quiet,
as if two souls could clasp.

Yes, hills from hills are distant
and can’t wed as they would,
they cannot warp and wander –
but people could and should.

Christina Egan © 2004

Silhouette of low silver-blue mountain range against silver-blue sky, just like in the poem.

Known

I’ve smelt the rarest rose of snow,
I’ve tasted of the sun’s last glow.

I’ve met you on a cloud-veiled ridge,
perhaps the planet’s highest bridge.

I’d looked out long. And now I’ve seen.
I’ve once been loved. I’ve known. I’ve been.

Christina Egan © 2004


The thought that people, unlike mountains, can get to each other across distances, goes back to a Greek proverb.

Photograph: “Kegelspiel” by N8mahl at the German language Wikipedia. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Commons.

Irgendein Montag

Irgendein Montag

Was wär das Leben enthoben vom Nebel?
Was wär das Leben mit prallvollem Segel?
Was wär der Tag wo sich alles gelohnt hat?
Irgendein Montag…

Einmal die Plätze und Parks zu durchwandern
im Wissen du bist unterwegs zu dem andern
der deine Augen studiert wie ein Buch
als wärst du die Erde als wärst du genug

Das wär das Leben so wie es gedacht ist
das wär das Leben für das du gemacht bist
das wär der Tag wo sich alles gelohnt hat
irgendein Montag…

Einmal gemeinsam die Nacht zu durchschweben
einmal das Leben zu Ende zu leben
Park in the dusk, with heart-shaped illuminated decoration, forming a frame around a spire in the distance.einmal zu wissen ein einziges Mal
wenn auch zur Zeit nur im Konditional:

Dies wär die Liebe so wie sie gedacht ist
dies wär die Liebe für die du gemacht bist
dies wär der Mensch der wenn er dich küßt
weiß wer du bist

Das wär das Leben so wie es gedacht ist
das wär das Leben für das du gemacht bist
das wär der Tag wo sich alles gelohnt hat
irgendein Montag…

Christina Egan © 2011

Valentine’s Day on Gozo, Malta.
Photograph: Christina Egan © 2018.

Weißer Schnee auf roten Rosen

Weißer Schnee auf roten Rosen

Graue Gänse, grauer Himmel
Stumme Stämme um den Teich
Ungewohntes weißes Flimmern
Und ein Schimmern im Gesträuch

Weißer Schnee auf roten Rosen
Hingesunken über Nacht
Stengel von der Last gebogen
Späte Knospen überrascht

Glowing roses, golden with red rims, standing in thick snow amongst bare trees.Weißer Schnee auf bunter Mütze
Und dein Lachen wie Gesang
Häherschrei von Tannenspitze
Glockenruf minutenlang

Weißer Schnee auf roten Rosen
Weißer Hauch auf rotem Mund
Ja, auch ich hab dich erlesen
Niemals tat ich es dir kund

Erster Schnee auf grauen Gänsen
Jede Flocke wie ein Stern
Weißer Schnee auf roten Rosen
Und ich weiß: Du hast mich gern

Christina Egan © 2017

White snow melting on red roses.
Photograph: Christina Egan © 2017.

This is the second of two love songs which could stand alone or be sung by a woman and a man — from opposite ends of a stage or hall, though…

In White snow on white roses, the first person confesses she (or he) still secretly wishes they had got together a long time ago, and wonders if her friend feels the same.

In White snow on red roses, the second person reveals that he (or she), too, has longed for this relationship all along, but he never lets his friend know… not now either.

Each of them sings into the wind, into the snow… The ‘years that flew away’ like the wild geese in the first poem and the ‘late buds surprised’ by the snow in the second poem show that the pair are at a later stage of life.