The First of December

The First of December

The ample, even, hand-like leaves
carelessly crumpled up by the frost
overnight,

the luscious colonies of moss
dusted with ice in the colourless light
of the day.

And we cannot deny this is still only autumn:
the yearly slow and sure descent
towards the cold.

This is the month of shrinking days,
of darkening hair and shivering skin
touched by damp.

This is the season of flickering lights,
some of them real, all of them glimmering
drops of hope.

Christina Egan © 2012

Gelbes Licht

Gelbes Licht

Statue of young man, unfinished, as if the figure were wrestling itself free of the stone.

I.

Du trittst aus dem Beton hervor,
als trätest du aus einer Wand
und durch ein großes goldnes Tor
in blühndes dufterfülltes Land…

Dabei ist’s bloß ein Platz, ein Park
und gelbes Licht und gelbes Laub;
doch wirst du wieder froh und stark
von etwas Wärme auf der Haut.

 

II.Table surface of bright yellow mosaic, with café chairs on the grass, sunlit.

O milder honiggoldner Wein
im Riesenkelch aus Bergkristall:
Noch fließt das Herbstlicht süß und rein.
O Augenblick! O Sonnenstrahl!

Noch fließt die Kraft, noch fließt der Trost,
solang der Himmel zaghaft blaut.
Man weiß nicht, was das Auge kost:
Ist’s gelbes Licht? Ist’s gelbes Laub?

Christina Egan © 2016


‘Young Slave’ by Michelangelo.  Photograph by Jörg Bittner Unna (own work) via Wikimedia Commons.

Roadside café in Morocco in midwinter. Photograph: Christina Egan © 2012.


 

“Still the autumn light flows, sweet and pure… I felt it in England this afternoon, on top of a high building! Yet the line of the last pleasant sunshine is moving inexorably downwards from the northernmost regions through the temperate ones, its duration is shrinking, and so the space you can catch it at… When the light is lowest, though, it starts rising again, growing again.

By the way: “No matter what happens, the sun will rise in the morning, and America will still be the greatest nation on Earth,” President Barack Obama announced during election night 2016. Not so: the United States have definitely exposed themselves not to be the greatest country on earth; and the sun would be darkened on an occasion like 9/11, or a nuclear bomb anywhere in the world, or a natural disaster due to technologies like fracking.

Oktoberbilder

Oktoberbilder

I.

Die weiche Luft wie weißes Brot…
Das erste volle Herbstesrot
hängt überm frischgetränkten Gras.
Die Sonne bleibt durch Dunst versperrt,
doch Astern sprühn ihr Feuerwerk,
und Rosen quellen ohne Maß –
O erdgeborne Sternenpracht,
die uns am hellen Tage lacht,
o buntes Bild auf grauem Glas!

II.

Der Himmel ist mit Blau behaucht,
die Gärten neu in Gold getaucht,
mit Gelb getränkt schon manches Laub;
und selbst das Blatt, das sterbend schwebt,
ist kupferrot wie frischerregt.
Noch einmal kost das Licht die Haut…
Das Windrad saust, die Wolke fliegt,
ein weißer Blütenball zerstiebt –
Zuletzt wird jedes Ding zu Staub.

Christina Egan © 2015

The Lavender’s Splendours / dachterrasse

The Lavender’s Splendours

On brittle grey walls,
find brittle grey sheaves
on wire-thin stalks
with tired long leaves…

Lavender with fresh and wilted blossom, next to pale-golden grass.

The lavender’s splendours
of indigo spikes
are ashes and embers:
dull grey with mauve lights.

Yet grasp its pale grains
and grind them to flakes –
and dazzling white flames
will rise when it wakes!

Christina Egan © 2016


dachterrasse

dachterrasse
traumgehege

der straßenkreuzung den hinterhöfen
den baustellen enthobenShrub with bright-red berries on a roof-terrace, with deep-red ivy below.

lavendel und rosen
wuchern und welken

der feuerdorn verheißt
lautlose feuerwerke

Christina Egan © 2016

Photographs: Christina Egan © 2016

Kretische Küste

Kretische Küste

I.

Vor mir ein grünes Meer, ein roter Strand
und hinter mir die himmelhohe Wand
der Weißen Berge, mit Gesträuch schraffiert,
mit Schluchten aufgeteilt, vom Mond berührt.

Es schwindelt mich, so schroff ist es und schön…
ich möchte mitten ins Gebirge gehn,
als sei es eines Mannes Wohlgestalt
und berge sein Gemüt in jedem Spalt.

II.

Der kupferfarbne Sand wird doch zu Gold,
wo er in steiler Woge niederrollt
und sich mit jenem Brennendblau benetzt,
das kommt und nochmals kommt… und jetzt… und jetzt.

Und Disteln starren in dem dürren Strand,
die plötzlich strahlen wie von Zauberhand,
wenn erster Regen flüchtig niedersteigt
und Brautkleidblüten aus den Blättern treibt!

III.

Wo täglich Himmel sich mit Meer vermählt
und Landes Rand von anderm Strand erzählt,
wo trockne Erde wie der Tagstern loht
von silbriggold bis zu orangerot,

wo noch bei Nacht das Wasser, kaum bewegt,
den Leib in schwerelosem Zauber trägt,
bis in das sanfte Schwarz ein Schweifstern stürzt –
dort laß uns warten auf den milden Herbst.

IV.

Mit riesenhaften grünen Pranken greift
das Meer hinein in den geschützten Kreis
des kleinen Hafens, daß die Mole schäumt
und sich die bunte Schar der Boote bäumt.

Des späten Herbstes erstes Fauchen fährt
in letzte schwere Hitze wie ein Schwert.
Fünftausend Jahre aber ragt die Stadt
ins Element, gelassen, sonnensatt.

Christina Egan © 2014

Flourishes on a mural, turquoise on luminous red and yello

For more poetry and information
on Knossos 
and Chania on Crete
see my English poems
The Pattern of a Yesterday and
Golden Dell.

 

Frieze in the royal palace at Knossos, Crete.
Photograph: Harrieta171 via Wikimedia.

Spätherbst (Feuer der Erde)

Spätherbst

Feuer der Erde
trieft aus den Früchten,
fließt aus dem Efeu,
sprüht aus den Dahlien,
fächert in Blättern,
schießt in Raketen,
fällt in Gestirnen,
tropft in Laternen.

Dann wandert die Sonne
nach innen,
in kerzenverzauberte Kirchen,
in wundererwartende Mienen,
in goldbestickte Musik.

Christina Egan © 2010

These lines refer to German winter customs,
which actually go far beyond Christmas:
after the fiery glow of autumn leaves, berries,
and flowers has gone, at certain times between
November and February
paper lanterns, real
candles, fireworks,
and bonfires are summoned
to dispel the gloom and cold!

November (Im dunkelblauen Nebel)

November

Im dunkelblauen Nebel liegen
gelöst mein Haus und Park.
Mein Herz hat einen Traum erstiegen
und hebt sich still und stark.

Der Herbst hat Gold um Gold gewonnen
mit schmerzloser Gewalt.
Das Mondlicht ist für mich geronnen
zu lieblicher Gestalt.

Christina Egan © 2010

This must be one of the happiest late-autumn poems ever:
exuding peace, evoking beauty, steeped in blue and gold!