Der Knauf / Schnellgeschrieben

Der Knauf

Schon viele haben Blumen dir gepflückt,
von Löwenzahn bis hin zu Feuerlilien,

vielleicht auch mancher einen Edelstein –
doch niemand pflückte je dir einen Stern.

Und wenn ich tausend Jahre leben muß,
und wenn ich tausend Jahre lieben muß:

Ich hole dir den kupferfarbnen Knauf
vom ungeheuren Sternengittertor

zur dämmerdunkelblauen Seligkeit
und leg ihn sanft in deine hohle Hand.

Christina Egan © 2012


Schnellgeschrieben

Sterne ans Firmament zu setzen ist mir ein Leichtes:
Funkelnde Verse schleif flink ich mit sicherer Hand.
Sterne hingegen vom Himmel zu greifen geschieht nur im Traume:
Sprühende Küsse erhascht selten der federnde Fuß.

Christina Egan © 2016


In The Knob, the person wants to pick for her beloved one something better than a flame-coloured flower, better than a sparkling gem: a copper-coloured star!

In the distichon Written Quickly, the poet states that she can easily put stars up, that is, her verse, but rarely picks stars, that is, kisses, other than in dreams…

These poems would not work in a translation software because the first one invents words and the second one jumbles up the word order, like the ancients did.

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vermächtnis

vermächtnis

und wieder dünen. wieder hohes gras.
und meer und himmel hier mit urgewalt.
und wieder du in deiner wohlgestalt.
und mein verlangen sanft und ohne maß.

ich tauch in deine lichten augen ein…
das meer entweicht. es war nur wellenschaum.
der tag verbleicht. du warst ein sommertraum.
ich bin allein am strand. ich bin allein.

wie mars in seinem kupferfarbnen glanz
entsteigt dem wall des kiefernwalds dein bild.
die brandung klopft. und klopft. der boden quillt.
ich kröne dich mit meiner verse kranz.

Christina Egan © 2015

Golden dune, green grass and shrubs, deep-blue sky.

 

This is my poem of the year 2015! It is, as the title states, my Bequest.

Like many other poems, it was inspired by a holiday on the Darss.

 

“Dune in Nature reserve Darßer Ort, Baltic Sea”. Photograph: Andreas Tille via Wikimedia Commons.

SEMPER AMEMUS

SEMPER AMEMUS
 
Ein großer lila Schmetterling
an einem feinen Silberband:
ein einfallsreiches Ornament
von unbekannter Künstlerhand,

das man vielleicht den Mauerresten
des Vorstadthauses einst entringt,
in sorgsam aufgereihten Kästen
dem Publikum zur Ansicht bringt.

Bis dahin werden Bild und Name
der Trägerin verloren sein;
nur ein verbeulter Brillenrahmen
wirft einen warmen Kupferschein,

und, rätselhaft, ein Silberring
trägt eine Inschrift auf Latein.
Die Zeitung schreibt: Der Schmetterling
mag Zeugnis einer Liebe sein.
 
Christina Egan © 2015

A woman's throat with a large butterfly pendant in silver and purple and a long blond ringlet on her dark garment.This story takes place in the future: when we are the past  unearthed, marvelled at, mused about. The inscription on the ring – which is a real item from the year 2000 AD – means ‘May we always love each other’.