Hochglanzfotos / glossy faces

Hochglanzfotos

Hochglanzfotos
von den letzten Hopi-Indianern
Hochglanzfenster
auf die Skyline der Zukunft
Hochglanzgesichter
ohne einen Schatten von Tod

das glitzernde Fest
über dem Abgrund
ist noch nicht ausverkauft

Christina Egan © 1990


glossy faces

glossy faces
framed by paper
framed by screens
framed by windows

painted faces
painted bodies
images of desires
images of images

sculpted and painted
masks and totems
with unseeing eyes
swarming around me

a mass of masks
each one an island
drifting in an ocean
of mute music

of flashing messages
clashing messages
fake facts
fake names

glossy faces
perfected
imperishable
and just so happy!

Christina Egan © 2018


While the second poem comes from a world of mobile devices and social media, the first one was written in 1989 or 1990, when computers (personal computers) where gradually being introduced and the internet (worldwide web) was only being invented. I must have been thinking of television and cinema, magazines and newspapers, posters perhaps or record covers…

Der Hunger / This Is

Der Hunger

Der Hunger aber
Des Herzens ist gewaltig,
Heimlich und reißend,
Gleich des Löwen Rachen,
Des Vulkanes Fauchen.

Hilflos ist der Mensch
Mit seinem gescheitelten Haar,
Seinem hochgeschlagenen Kragen,
Seinem gestiefelten Schritt,
Seinem geflügelten Wort.

Niemals nämlich
Entkommt der Gewandte
Dem Befehle des Lebens,
Dem Feuersturm
Im eignen Gebein.

Christina Egan © 2013


This Is

Your face, lit up,
perhaps, by me,
eclipses morning star and moon –
one word from you,
or more, maybe,
would freeze the clock at burning noon.

Don’t stop your step,
don’t hold your breath,
don’t soothe yourself it is too soon:
this is the life
as strong as death
that you have craved for. Let it bloom.

Christina Egan © 2004


Two large poppies almost touching, looking like goblets filled with sunlight.For love is strong as death,
    passion fierce as the grave.
Its flashes are flashes of fire,
    a raging flame.
Many waters cannot quench love,
    neither can floods drown it.
If one offered for love
    all the wealth of one’s house,
    it would be utterly scorned.

Song of Solomon, 8, vi-vii.

Photograph: Christina Egan © 2017.

gesichter (fotografie / teetasse / verabredung)

gesichter

I.

fotografie

dein angesicht fängt wie ein schrein
den flammenglanz des himmels ein
und stellt ihn zart und zauberbunt
in meines herzens mittelpunkt…
ich bin allein und nicht allein.

II.

teetasse

ich schau in einem schwarzen teich
flüchtig und deutlich ein gesicht
vor einsamkeit und kummer bleich
wie ein gespenst bei mondenlicht…
ich bin es und ich bin es nicht.

III.

verabredung

zwei stimmen stimmen überein
und fremde züge spiegeln sich
zuweilen blütenblätterfein:
auf deines reimt sich mein gesicht!
du weißt es und du weißt es nicht.

Christina Egan © 2012


Two voices which echo each other, two faces which mirror each other, two people who rhyme… Everyone’s dream — and sometimes it comes true.

Burgberg

Burgberg

I.

Aus dem Nebel tauchen Mauern, scharlachumrankt –
ein Hauch auf der Haut, ein Traum gegen Morgen.

Der Burgberg, ein Eswareinmal,
das sich eine Auferstehung ertrotzt.

Deine Stimme, eine schwingende Brücke,
golden und lockend und unbetretbar.

Dein Gesicht, von den Jahren klarer geschnitzt,
das ich lesen will, lange, wie deine Stadt –

II.

Und wieder Laubhaufen, knöchelhoch, kniehoch,
Nebelschwaden, als wanderte man durch Wolken.

Dem ungreifbaren Weiß enttaucht ein Spitzbogen,
ein Tor: Es führt nirgendwohin.

Der neben einem geht, mit einem redet,
bleibt schemenhaft. Vielleicht ist er ein Traum.

Und wieder November. Dreißig Sommer
entblätterten sich in den Wind, in den Wind.

Christina Egan © 2001 (I) / 2017 (II)

Nächster Halt: Potsdamer Platz

Nächster Halt: Potsdamer Platz

Schwingt ihre Hüften und wippt ihre Füße
fröhlich die Straßenbahn, macht einen Satz,–
weben Zylinder und Wagenradhüte,
Kappen und Häubchen am Potsdamer  Platz!

Strahlen geschwungene Straßenlaternen,
äugen Gesichter aus blumigem Putz,
lachen Plakate und wirbeln und werben:
Pflückt euch das Leben am Potsdamer Platz!

Längst sind zu Staub die Fassaden zerstoben,
längst ist verklungen Berlins Karussell,–
aber im Geiste, dem Zeitlauf enthoben,
dreht es sich kunterbunt, munter und schnell.

Christina Egan © 2017

Noble townhouse with rich stucco ornaments and rose-tree.

This poem is the middle part of my Berlin Triptych, together with Nächster Halt: Bahnhof Zoo and Nächster Halt: Flughafen Schönefeld. Someone arrives at Zoo Station, then passes Potsdamer Platz on a round-trip, and leaves from Schönefeld airport.

For an English poem about the same square, go to Glass Mountain (Potsdamer Platz).

Photograph: Noble townhouse in Berlin — one inspiration for these lines! Christina Egan © 2016.

I Sought the Star / Weihnachtskerzenflamme

I Sought the Star

Weary was, had wandered far…
        Again, it snowed.
Without a doubt, I sought the star
        above the road:

 The star that had been made for me,
        a radiant face,
above the maze of destiny,
        above the ice.

I climbed a random rugged hill –
        and there it burned!
Above a shelter bright and still
        and warm and firm.

And still they glow, the tiny spark
        and snowed-in home,
both given to my hungry heart
        by faith alone.

Christina Egan © 2010


Weihnachtskerzenflamme

Wie eine Weihnachtskerzenflamme strahlt
dein sanftes schmales Angesicht,
auf dem sich langersehnte Freude malt,–
so hell bist du und ahnst es nicht.

Wie hoheitsvolle Rosenknospen stehn
die Hände in dem goldnen Licht,
so zart, als würden sie im Wind vergehn,–
so weich bist du und weißt es nicht.

Christina Egan © 2014


A ‘Christmas Candle Flame’ as an image for a joyful, gentle, guileless face works only where, like in Germany, the tradition of real candles is upheld!

The second stanza compares the person’s hands to tender, graceful, regal rosebuds. The poem appears to describe a child but was in fact written for an adult.

kairos (eben im zenith)

kairos

eben im zenith des tages
tret ich in ein helles haus
und ich folge seinen stufen
und ich find nie mehr hinaus

eben im zenith des jahres
fällt dein flammendes gesicht
in den brunnen meines auges
mit dem hohen sonnenlicht

eben im zenith des lebens
flutet sanft mein goldnes haar
in die schale deiner hände
und die liebe wird uns wahr

denn du findest meinen namen
den geheimen dachtürknauf
und im purpurroten buche
deines schicksals scheint er auf

Christina Egan © 2015


Noble townhouse with rich stucco ornaments and rose-tree.In Greek philosophy, the kairos is the moment — the right moment or the destined moment. The incident takes place at a triple zenith: at twelve noon, around midsummer solstice, and at the highest point of life. The latter, if it exists, will be different for everyone…

Possibly, the story happens only in the narrator’s mind: she imagines that one day in June, she steps into an unknown building and “never leaves again”, because her name was written in someone else’s book of destiny — so they fall in love at first sight.

Photograph: Christina Egan © 2016.