Ex tenebris (The day is like a daffodil)

Ex tenebris

The day is like a daffodil. Yet
the green garland of the garden,
the golden garland of the sunset
cannot dispel the dark of the depth.

On the crests of the hills,
tiny blue brushstrokes,
you can watch them wander,
the deceased and the unborn.

My heart is a fist in my chest.
My tears are grapes of glass.
No one sees them: no one sees me.
I am alone with the angels.

Christina Egan © 2017

Daffodils and narcissus growing thickly around a fivefold gnarled treetrunk.Photograph: Christina Egan © 2013.

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La veille / Nightwatch

La veille

Quelqu’un compte pour nous
les heures sans sommeil,
quelqu’un garde pour nous
les fleurs sans pareil.

Quelqu’un compte toujours
les larmes sans oreille,
quelqu’un garde toujours
les charmes de la veille…

Christina Egan © 2012

Huge liturgical book with very large writing and music, richly illuminated

Nightwatch

Someone counts, rest assured,
inconsolable hours,
keeps all prayers secured,
incomparable flowers.

Someone counts day and night
tears unseen and unheard,
guards the circle of light
round a mind deeply stirred…

Christina Egan © 2016


I was thinking of angels or saints when I wrote these lines (twice, in French and in English); other humans might prefer to think of spirits or the only God. I hope there is no one on earth who has no comfort of this sort at all!


Photograph by ignis, via Wikimedia Commons [GFDL, CC-BY-SA-3.0  or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0].

Verquer

Verquer

Garden furniture jumbled up by storm in front of old wooden shed.Ich schau auf die Straße:
Doch niemand kommt her.
Die Sonne ist prachtvoll,
die Wolken sind schwer.

Ich schau in den Garten:
Die Stühle sind leer.
Die Welt ist betörend,
die Welt ist verquer.

Und niemand, ach niemand
erahnt meinen Schmerz!
Das Leben – ein Schicksal?
Das Leben – ein Scherz?

Wie Weihrauch denn steige
mein Wort himmelwärts,
daß Gott sich mir neige
und wandle mein Herz.

Christina Egan © 2015

Photograph: Christina Egan © 2012.

 

 

Warten ist der Winter

Warten ist der Winter

Warten ist der Winter, Warten
auf den endlich wieder starken
Glanz, der sanft ins Leben küßt,
was vor Gram verblichen ist.

Einsam ist der kleine Garten,
während Garben aller Farben
unter altem Laub und Moos
schlummern im verdorrten Schoß.

Hilflos ist das lange Darben
für den unbemerkten Garten:
hilflos, doch nicht hoffnungslos,
denn der Himmel ist sein Trost.

Christina Egan © 2012

Die Störche entflohen dem Norden

Die Störche entflohen dem Norden

Die Störche entflohen dem Norden,
Und nie mehr ziehn sie zurück:
Mir ist mein Kindlein gestorben,
Und nie mehr find ich mein Glück.

Mein einziges Kind ist gestorben,
Und niemand hat es bemerkt –
Denn niemals sah es den Morgen,
Und niemand hat mich gestärkt.Two storks in a nest, standing very close together, surmounted by a triangular tree and a steep roof, in the dusk.

Mein Lächeln muß ich mir borgen,
Wenn Frühjahr die Täler doch färbt:
Mir ist es, als wär ich gestorben,
Und niemand hätt’ mich beerbt.

Mir ist es, als wär’ ich im Norden,
Auf Nebelinseln, daheim:
Der Sommer hatt’ mich umworben
Und ließ mich dann achtlos allein.

Die Störche sind immer geborgen
In Kreisen von Sonne und Wind…
Doch ich erwache in Sorgen:
Mir lachte im Traume das Kind.

Christina Egan © 2013

Nest with two storks in North African city with crumbling walls and palm trees.

This is the story of a woman who lost her only child before birth or at birth, or who never had one at all and will never have one.

This poem sounds like a folksong and could be set to music.It may also work well in a translation software.

 

Photographs: Wyk on Föhr, Germany / Marrakesh, Morocco. Christina Egan © 2014/2012.

Fastenzeit / Lent

Fastenzeit

An bitterem schwarzen Brot
nagt mein Mund.

An bitterer schwarzer Erde
nagt mein Herz.

Grauer Wind
fegt die Fluren rein.

Alles fastet
der Farbenfülle entgegen.

Christina Egan © 1985

Lent

My foot sinks
into bitter black earth.

My heart gnaws
on bitter black bread.

Grey wind
sweeps the fields clean.

Everything fasts
towards the flood of flowers.

Christina Egan © 1999

The church year mirrors the natural seasons  and symbolises our life events: voluntary renunciation in Lent corresponds to the hardships of winter or to emotional deprivation.

I shall shortly post a poem about Easter at ostermorgen, where faith in God and resurrection is linked to the renewed sunshine of spring and to the experience of communion and fulfilment.

Tretet sachte / inselwärts

Tretet sachte

Rows of headstones, weathered, covered in lichen, tilted, sunlit

Heerscharen von Grabsteinen,
polierte und verwitterte;
Siedlungen von Ruhestätten,
begrünte und verwilderte;
Geschlechter von Toten,
bekränzte, unbesungene
und unbekannte auch.

O tausend Häuser von Träumen –
und jeder gescheitert zuletzt.

Edge of tomb, with weeds outside and inside

Und dazwischen verstreut
das ungeheure Volk
der Niegeborenen,
der Niegesehenen,
der Niegerufenen,
namenloser als namenlos
und ohne Granit zum Gedenken.

Tretet sachte im Grase,
das feucht ist von lautlosen Tränen.

Christina Egan © 2014

Pond in park, surrounded by bare trees, with tiny island

inselwärts

wenn nieselregen bach und teich benetzt
und warmer wind die blütenrispen regt
betrete ich das gräberfeld zuletzt
wo kein granitstein deinen namen trägt

vom gittertor das grünen frieden wahrt
bis an den wüstenroten obelisk
such ich geheime initialen zart
auf grauer buchenrinde eingeritzt

in goldnen rosen ahn ich dein gesicht
dein lächeln in dem bächlein das erblitzt
und deine stimme wenn die amsel spricht
die sonne flutet – o wo bist du jetzt?

o niemand weiß von dir und niemand sieht
ein spitzes schwert hängt über meinem herz
ich breche eine rose die verblüht
und werf sie in die binsen inselwärts

Christina Egan © 2014

Photographs: Christina Egan © 2013/2014