Im Spiegelsaal / Unter der Fontäne

Im Spiegelsaal
(Stadtschloß zu Fulda)

Die buntbemalten Wände spiegeln sich
mit blanken Splittern Gegenwart darin.
Sie zeigen hundertfältig dich und mich,
und hunderfach scheinst du mir auf im Sinn.

Doch die Porträts in alten goldnen Rahmen
sind ausgewischt nach einem Augenblick –––
Es bleiben nur im Buche unsre Namen
und in den Herzen hundertfaches Glück.

Christina Egan © 2000


Unter der Fontäne

Park with flowerbeds leading to fountain and elegant rococo palace

Du stehst und schaust versunken
dem hohen Springquell zu:
die Flut von hellen Funken
strömt Leben aus und Ruh.

Der Silberstimme lauschst du,
als sei’s ein Lied für dich,
und deine eigne bauschst du

und wirfst sie über mich.

Das Lautspiel meiner Lieder
ist Widerschall von dir,
und deine Lieder wieder
nimmst, Liebster, du von mir.

Christina Egan © 2004


The first poem was written for my own wedding and the second one for one of our wedding anniversaries. We got married in a palace with mirror cabinets and with tall fountains in the gardens (see picture and link to 3D-tour of the sparkling rooms).

In the first poem, the words and sounds reflect each other, just like the people and scenes in the mirrors. Similarly, the music of the water features in the second poem is echoed in the songs or poetry which the couple compose for each other — and in the music of these lines.

Photograph: City Palace Gardens, Fulda, Germany (Schloßpark Fulda). Christina Egan © 2014.

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Dem Herausgeber des “Echtermeyer”

Dem Herausgeber des “Echtermeyer”

Du sammeltest leuchtende Lieder,
den mannigfaltigsten Strauß,
du trugst vom Parnassus hernieder
Gedichte in jedermanns Haus.
Verklungen ist längst deine Stimme,
im Schattenreich deine Gestalt,–
doch fesselst du unsere Sinne
durch eherner Worte Gewalt.

Christina Egan © 2015


Vixi, et, quem dederat cursum fortuna, peregi;
et nunc magna mei sub terras ibit imago.

Virgil, Aeneis IV, 653–654 


The name of this writer, Ernst Theodor Echtermeyer (1805-1844), became proverbial for a standard anthology of German poetry. It went through many mutations, and the latest editions are officially titled “The Echtermeyer”. Without this book, I would not be what I am!

We know little about Theodor’s life, but I have tried to imagine two key moments in his life: when he understands he is in love and decides to marry; and when he understands he is so ill that he must die soon. Theodor an Emilien  is written in the first person singular in 19th-century German.

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum,
im Frühlingswind verloren und im Traum…

Ich schaue auf die blauen Höhn,
die kühn wie Vorzeitbauten stehn.
Ich lausche auf den Vogelsang,
in meinen Adern steigt ein Drang!
Ich schaue auf den Horizont,
von dem mir meine Hoffnung kommt.

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum,
in Frühlingsnacht verloren und im Traum…

Ich schaue auf die Stadt im Tal
mit Erdensternen ohne Zahl.
In meinen Adern steigt der Saft,
ich streck’ mich mit versteckter Kraft!
Bevor noch süß die Linde blüht,
blüht früh und süß der Linde Lied.

Christina Egan © 2012

The mountain range on the horizon is the Rhön and the city in the valley is Fulda, Germany. There are more lines to this poem to make a song of it: part wistful and part hopeful, part heavy-hearted and part light-hearted!

The phrase ‘Town in the valley’ is echoed in the poem of the same name, Stadt im Tal.

Heimkehr nach Köln

Heimkehr nach Köln

Die türmenden Inseln
der Kirchen,
die aschgrauen Schachteln
der Häuser,
die lärmenden Räder
der Plätze –

Geborgen bin ich
im Schoß meiner Stadt,
die mich die Sprache lehrte,
die vergessene Sprache,
die schlichten Gesänge
verschütteten Glücks.

Ein goldenes Antlitz taucht
aus dem bunten Dämmer hervor.
Wer bist du?
Geh nicht fort, Gesicht
ohne Namen, leihe mir
mein Geheimnis heut nacht!

Christina Egan © 1992

This poem about homecoming to a big city could refer to a place where someone grew up; or where they lived in the past; or where they may have lived in a former life on earth.

Bronze head of a bishop, mediaeval yet classical in appearance.Therefore, the mysterious golden face which is the key to the past could be a late relative; or a lost friend; or else a historical figure. I was thinking of this portrait at the back of Cologne Cathedral.

Photograph: „Grabmal Konrad von Hochstaden Gipsabdruck“ von Elke Wetzig (Elya)